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Die heldin

In weiter Entfernung schwamm etwas. Dana, die Jägerin, starrte gebannt auf die See. Sie bewegte sich nicht. Die einzige Bewegung, die man bei ihr hätte ausmachen können, war der lederne Lederschurz, der im Wind flatterte und ihr einziges Bekleidungsstück darstellte. Ihre Haare konnte der warme Sommerwind nicht erhaschen, denn sie hatte keine. In ihrem Stamm war es üblich mit Ende der Kindheit alle Haare am Körper zu entfernen.
In weiter Entfernung schwamm etwas. Dana, die eigentlich nur ein Bad in der leicht erhitzten See nehmen wollte, rührte sich nicht. Das Ding, oder was auch immer dort in den Wellen schaukelte, kam immer näher. Danas Körper verkrampfte sich. Sie ahnte, daß es etwas Besonderes sein würde, sein mußte. Alle ihre Sinne waren aufs Äußerste auf dieses Objekt gerichtet.
In der schrumpfenden Entfernung schwamm etwas. Dana war so erregt, daß sich ihre Brustwarzen erhärteten und ihr ein leichter Schauer über den Rücken lief. Sie war vorbereitet jeden Augenblick los zu sprinten und in die Fluten zu hechten, bereit eine bewußtlose Person oder zumindest einen kleinen Schatz aus den Fängen dieses nassen Gefängnisses zu befreien. Danas Gedanken waren aufgewühlt. Sie würde eine Heldin sein, von allen gefeiert.
Die Entfernung verringerte sich. Jetzt konnte Dana es wagen. Sie sprintete los und sprang in das kleine Meer. Mit wuchtigen Hieben schob sie sich zu ihrem vermeintlichen Opfer oder ihrem Schatz voran. Gleich würde sie es erreicht haben. Nur noch ein kleiner Handbreit und...
Dana hielt inne, schüttelte enttäuscht den Kopf und schwamm zurück.
Hinter ihr im Wasser lag ein großes Buch mit dem erstaunlichen Titel „Wie werde ich ein Held?“.

 

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