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das bettmonster

Es war heiß in der großen Stadt. Und Betty war heiß auf diese Stadt. Sie wollte Erfahrungen sammeln, interessante Menschen kennen lernen, und ihrem jungen Leben vielleicht einen Sinn geben. Sie wollte endlich etwas erleben, je ungewöhnlicher desto besser.

Betty hieß eigentlich Bettina und kam vom Land. Genauer gesagt kam sie aus dem dörflich geprägten Gillbachland, welches nicht weit von Köln weg liegt. Dort hatte sie achtzehn Jahre gelebt und war behütet aufgewachsen. Sie hatte immer gespürt, dass das grüne Gillbachland mit seinen reichen Äckern und freundlichen Menschen der richtige Ort für Kinder ist. Doch irgendwann spürte sie auch die Anziehungskraft, welche die Großstadt auf sie ausübte. Es war zuerst nur ein Ahnen tief in ihrem Unterbewusstsein, das sich alsbald zu einem Ziehen und Zerren entwickelte, ein Sog sogar. Kaum hatte sie die Schule hinter sich gelassen, bemühte sie sich um eine Lehrstelle in der rheinischen Metropole und mietete sich ein Zimmer. Sie konnte einfach nicht anders und musste diesem Drang nachgeben, auch wenn ihre Eltern, Geschwister und ihre Freunde ihre Beweggründe nicht nachvollziehen konnten.

Während Betty ihren letzten Bücherkarton die schmale Treppe des alten Hauses hinauf schleppte, liefen ihr Rinnsale von Schweiß über den Rücken hinab. Die langen roten Haare klebten nass auf der Stirn und in ihrem Nacken. Oben angekommen wuchtete sie den schweren Karton auf eine der übrigen Kisten, die allesamt in den wenigen Ecken ihres kleinen Reiches verstreut lagen. Ihr eigenes Reich – alles hier gehörte nur ihr: eine Schlafcouch, ein Tisch, zwei Stühle, Kühlschrank, Herd, ein paar Regale, ein Fernseher und natürlich zwei Topfpflanzen aus der Heimat. Dazu eine Menge Kisten mit allerlei Krimskrams und vielen, vielen Büchern.

„Wo soll ich die nur alle hintun?“, dachte Betty, als sie sich um Atem ringend umschaute, und dabei den hellbraunen Teppich voll tropfte.

 

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